Hast du jemals daran gedacht, dass naturfreundliche Materialien eine dunkle Seite haben?
Du bist ein guter Mensch. Du kümmerst dich um die Welt, du hast Mitgefühl mit den Armen. Wenn du morgens deinen Kaffee trinkst, denkst du immer an die Menschen, die hinter der Herstellung stehen, und dankst ihnen. Du weißt, dass Recycling wichtig ist, und du gehst sehr verantwortungsbewusst damit um.Du bist ein guter Mensch. Du kümmerst dich um die Welt, du hast Mitgefühl mit den Armen. Wenn du morgens deinen Kaffee trinkst, denkst du immer an die Menschen, die hinter der Herstellung stehen, und dankst ihnen. Du weißt, dass Recycling wichtig ist, und du gehst sehr verantwortungsbewusst damit um.
Wahrscheinlich fährst du ein Elektro- oder Hybridauto, weil du auf diese Weise deinen Anteil zum Umweltschutz beitragen kannst. Wenn du auf deinem Handy oder Laptop über die nächste „Fridays for Future“-Demo liest, denkst du nicht einmal daran, dass sie ein gewisses Risiko für die Natur darstellen könnten. Du bist überzeugt, dass die Elektrogeräte, die du benutzt, umweltfreundlich sind.
Nun atme tief durch und denke noch einmal nach. Hast du schon mal daran gedacht, dass der Großteil deiner Benutzerelektronik aus Kunststoff hergestellt ist? Das wirft einen Schatten auf ihre angebliche Unschädlichkeit, nicht wahr? Hast du jemals für einen Moment über die Akkus deiner Geräte nachgedacht?
Außer der Tatsache, dass sie aus Lithium-Ionen bestehen, weißt du wahrscheinlich kaum etwas über sie. Obwohl du es nicht erwartet hättest, hat die Geschichte des Lithiums als eines der wichtigsten und natur-freundlichsten Metalle des 21. Jahrhunderts eine dunkle Seite.

Wie werden Lithium-Ionen-Batterien hergestellt?
Die weltweite Nachfrage nach Lithium nimmt ständig zu. Lithium kommt nicht nur in der Natur vor, da es hochreaktiv ist. Stattdessen kommt es als Bestandteil von Salzen oder anderen Verbindungen vor. Lithiumsalze sind in unterirdischen Lagerstätten von Ton, Mineralerz und Sole sowie in geothermischem Wasser und Meerwasser zu finden. Der größte Teil des Lithiums auf der Welt wird aus Bergwerken gewonnen.
Bereite dich darauf vor, Geschichten wie die der Gewinnung von Blutdiamanten und anderen Rohstoffen zu hören, die Bestandteil der schönen und kostbaren Dinge sind, die reiche Leute gerne haben. Stell dich auf Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen, Hungerzwang, verseuchten Boden und Dürre ein.
Klingt das nicht umweltfreundlich? Leider ist das noch nicht alles. Der Abbau von Lithium hat einen noch größeren ökologischen Fußabdruck. Aufgrund der vielen Verarbeitungsschritte, die nötig sind, kann Lithium sehr schlecht für den Boden und das Grundwasser sein. Obwohl für die Lithiumproduktion selbst kein Trinkwasser benötigt wird, wird bei der Verarbeitung Salzwasser extrahiert. Eine Zufuhr von mehreren Tausend Litern Frischwasser ist dafür nötig: Grundwasser, das an anderer Stelle fehlt.
Was bedeutet das für die Natur?

In den Ländern Südamerikas, in denen der größte Teil des Lithiums abgebaut wird, gibt es zunehmend Dürreperioden. Die Einheimischen beklagen, dass ihre Viehzucht bedroht ist und die Vegetation austrocknet. Dadurch wird eine Kettenreaktion ausgelöst: Armut, Hunger, Krankheiten. Auch der Klimawandel darf nicht vergessen werden.
Graphit, eine glitzernde Substanz, die vor allem für die Verwendung in Bleistiften bekannt ist, ist auch als Bestandteil von Lithium-Ionen-Batterien zu einer unverzichtbaren Ressource geworden. Genau wie bei den Diamanten kann die Gewinnung von Graphit schreckliche Folgen haben.
Einheimische sagen, dass alles rund um die Graphitminen schwarz und tot ist. Die Pflanzen wachsen nicht richtig. Wasser ist nicht trinkbar. Es ist schmutzig und schwarz. Nachts mutet die Verschmutzung überirdisch, fast märchenhaft an. Die Luft glitzert, sagt ein Bauer. Doch dies ist nicht der schöne und vielversprechende Glanz von Diamanten oder lebensspendendem Licht. Es ist der dumpfe Glanz der Zerstörung.
Der Preis für ein Menschenleben

Das Gleiche gilt für den Kobaltabbau, eine weitere Zutat für Batterien. Hier wird es dramatisch. Die Arbeitsbedingungen in Afrika, wo das meiste Kobalt gewonnen wird, sind tödlich. Die Arbeiter, einschließlich der Kinder, schuften wie Sklaven an den rauen und feindseligen Orten, an denen Kobalt abgebaut wird.
Menschen werden ausgebeutet, die Natur wird ausgebeutet. Niemand wagt es, sich zu beschweren, denn niemand würde es hören. Menschenrechte werden missbraucht, die Natur auch.
Faires Wohlbefinden?
Es gibt keine Werbespots für jene Akkus, mit denen dein Smartphone, Laptop oder Elektroauto betrieben wird — mit glücklichen, lächelnden Arbeitern. Das Lächeln eines freundlichen Mannes oder einer freundlichen Frau aus einem Reklamefilm könnte dich nicht davon überzeugen, dass in ihrem Leben alles gut ist und die Welt sich keine Sorgen um sie machen muss. Es wird nichts über ihre Lebensbedingungen gezeigt, weil das ein schreckliches Bild zeichnen würde.

Es gibt in den Abbaugebieten Afrikas keine vermögenden Arbeiter, die in schönen Häusern wohnen und Bio-Lebensmittel im örtlichen Supermarkt kaufen. Sie ernähren sich auch nicht von den Früchten ihres eigenen Landes, weil ihre Ernte vernichtet ist.
Was man sehen könnte, wenn man tiefer und weiter blickte, wäre nur das schmutzige, schwarze, graphitmüde Gesicht eines armen Bauern, der nicht genug Zeit oder Geld hat, um sich auszuruhen, zu essen, wegzulaufen. Es tropft kein Blut aus seinem Körper wie im Film „Blood diamond“ mit Leonardo Di Caprio. Aber er wird trotzdem buchstäblich zur Ader gelassen. Sein Herz blutet.
Der bessere Weg

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Dies sind nur Teile der “schmutzigen”, unfreundlichen Fakten, die hinter einer vermeintlich sauberen, umweltfreundlichen Technologie stehen. Es gibt einen Weg, das alles zu ändern. Es gibt Lösungen, die sich mit Recycling und Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Sie können nicht das ganze Bild ändern, aber sie werden vermutlich die ein oder andere Träne wegwischen.
Wenn Tausende von uns bereit zu Veränderungen sind, gibt es einen Hoffnungsschimmer.
